Wie es mit Sunetha weiterging - Fixenaturhof

Wie es mit Sunetha weiterging

Wenn du meine Themen schon eine Weile verfolgst, dann hast du sicher vom Schicksal von Sunetha schon gelesen. Hier ein offener Brief von Andrea, wie es mit Sunetha weiterging:

Liebe Freunde, Bekannte und auch liebe unbekannte, hilfsbereite Menschen,

noch einmal möchte ich mich ganz persönlich und auch im Namen von Sunetha  an Euch wenden: Ganz unglaubliche 7 Monate liegen hinter uns!

Niemand hätte je gedacht, dass aus einem geplanten fünf- wöchigen Urlaub eine „Reise ohne Ende“ werden könnte.

Sunetha kam im Februar und wollte im April zurück in ihre Heimat. Doch bereits Ende März war klar, dies wird nicht leicht, denn die Singhalesische Regierung hat ziemlich schnell den Flughafen für einreisende Passagiere gesperrt, um der Pandemie im eigenen Land Einhalt gebieten zu können.

Anfangs waren wir noch sehr entspannt und glaubten an eine schnelleWendung bzw. WiederöffnungdesFlughafens. Doch dieseHoffnung starb mit jedem neuen Tag, mit jeder Nachrichtensendung aus Sri Lanka. Es wurde April, es wurde Mai, es wurde Juni, alleInfos zur Flughafenöffnungverliefen im Sande.

Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden ich in der Warteschleife von QuatarAirways verbracht habe, um immer wieder Sunethas Ticket umzutauschen, immer wieder im Glauben, siedürfe nach Hause fliegen. Doch jedes Mal wurden wir enttäuscht.

Die Situation in Sri Lanka war beim Lockdown eine ganz andere als in Deutschland. Während ich hier auf den Markt oder in den Edeka ging, um einzukaufen, wurden bei Sunethas Kindern die Lebensmittel knapp. Sunetha hat von hier versucht,  mittels Lieferservice ihre Kinder zu unterstützen. Wir erlebten schwere Momente und für eine Mutter kaum auszuhaltende Situationen. Bei den Kindern und ihrer Familie wurden die Essensrationen täglich kleiner und hier lebten wir diesbezüglich nach wie vor, als wäre nichts passiert

Ein Lockdown in Sri Lanka bedeutet  tatsächlich,  dass niemand auf die Straße oder zum Einkaufen geht, egal wie groß die Not zu Hause auch ist. Dies habe ich nach den Attentaten an Ostern dort selbst erlebt. Die Straßen werden sehr streng kontrolliert.

Hier in Deutschland hatten wir mit ganz andere Sorgen zu tun. So weigerte sich die deutsche Krankenversicherung,Sunetha nach Ablauf des ersten Vertrages weiter zu versichern, aus Angst vor ungeahnten Kosten, die eventuell auf sie zukommen würden. Mit viel Diskussion und der Androhung von Öffentlichkeit erhielten wir schlussendlich einen neuen Vertag (übrigens begann dieser mit einem Tagespreis von 1,10€ und steigerte sich bis September zu 2,40€).

Ebenfalls musste die Visumfrage neu geklärt werden, da ihr Visum längst abgelaufen war.

Bereits im Frühjahr erfuhren wir Dank euch eine unglaubliche finanzielle Unterstützung, denn Sunetha war es nicht erlaubt, Geld zu verdienen. Auch in dieser ungewöhnlichen Situation gab es leider keine Möglichkeit des „legalen“ Geld-verdienens,die deutschen Gesetze sind starr, komme was da wolle. Dank euch konnte sie ihre Versicherung selbst bezahlen, für ihren Lebensunterhalt aufkommen und auch etwas Geld an ihre Kinder und die Oma schicken, damit diese nach Möglichkeit einkaufen gehen konnten.

Wöchentliche Telefonate und Mails mit der singhalesischen Botschaft und dem Konsulat in Frankfurt bzw. Berlin brachten keine neuen Informationen, außer dem ständig wiederkehrenden Satz: „Bitte bleiben Sie, wo Sie sind.“

Im Juni und August machte sich Resignation in unserer „Zwangs- Wohngemeinschaft“ breit und Sunetha hatte großes Heimweh. Ihr ältester Sohn Lukshan wechselte in diese Zeit in eine höhere Schule, es galt eine neue Schuluniform, Schuhe, Bücher etc. zu besorgen. Außerdem musste das Schulgeld von 500,00€ aufgebracht werden. Unter Sunethas telefonischer Anleitung ging der Junge alle Wege alleine und uns begegnete hier in Form von Sabine Kopp ein Engel, denn Sabine übernahm mit ihrer Stiftung (KiKOgGmbH) ohne zu überlegen das Schulgeld für die Dauer eines Jahres für Sunethas Sohn. Welch ein Segen. 1000 Dank!!

Am 27. August erhielten wir am Abend erneut eine Stornierung ihres Flugtickets
(mal wieder lag alle Hoffnung auf der Öffnung des Flughafens zum 2. September).Dies war einer der schwersten Momente der vergangen Monate. Sunetha verließ alle Hoffnung und Zuversicht, je wieder nach Hause zu kommen. Eine Nacht voller Tränen, Sorge und Ängste, denn langsam kommt auch die Oma, Sunethas Mama, mit ihren 74 Jahren an den Rand dessen, was sie in der Versorgung der Enkelkinder leisten kann. Und auch das Zusammenleben mit Sunethas Ehemann war nicht einfach, denn dieser kümmert sich weder um das Haus, noch um die Kinder, noch um ausreichend Versorgung mit dem Notwendigsten.

Nach dieser Nacht rief Sunetha erneut am 28. August der Botschaft an, um zu hören, ob es irgendwelche Evakuierungsflüge aus Europa gab. Wieder wurde dies verneint. In meiner Not schrieb ich die X-te Mail an die Botschaft,-  in dieserMail wurde ich überdeutlich, was ich davon halte, wie die Regierung Sri Lanka mit ihren gestrandeten Einheimischen umgeht.

Keine zehn Minuten später erhielt ich die Mail, dass am 3. September gleich zwei Evakuierungsflüge von Europa gen Sri Lanka starten würden: Ein Flug vom Flughafen Mailand und ein Flug von Paris, allerdings je zum Preis von 2500 € und ich habe genau zwei Stunden Zeit, um einen dieser Flüge zu bestätigen.

Für Sunetha ein Schock, woher sollte sie das Geld bekommen.
Aber es gab nur diese Möglichkeit, in nächster Zeit nach Hause zu kommen. In diesen 2500 €  war der Flug, 2 Covid Tests und 14 Tage Quarantäne im 4- Sterne -Hotel inklusive (an dieser Stelle kann ich sagen, dass ich des Öfteren darüber nachgedacht habe, dass ich es hier mit modernen und vor allem legalen Schlepperbanden zu tun habe).

Nach Rücksprache mit meiner Schwester Jutta (und einem privaten Finanzcheck) hatten wir in zehnMinutenentschieden, diesen Bedingungen zuzusagen, denn die Situation war für Sunetha hier nicht mehr auszuhalten.

Also leiteten wir auf der einen Seite alles in die Wege, um ein Flugticket von Paris nach Sri Lanka zu buchen, und auf der anderen Seite starteten wir erneut einen großen Spendenaufruf.

Was uns dann die nächsten 24 Stunden an Hilfsbereitschaft entgegen kam, kann ich bis heute nicht in Worte fassen. Innerhalb eines Tages hatten 2670 € zusammen und konnten somit all die Reisekosten decken.

Bis zum Abflug hatten wir dann leider noch sehr,sehr anstrengende Tage, denn es folgten zig Mailkontakte mit der Fluglinie, der Botschaft, dem Konsulat, Fragen nach Visa, nach Durchreisegenehmigung zum Flughafen , wegen Tickets, fehlenden Hotel Voucher, (übrigens all dies auf Englisch..und wer mich kennt, der kennt mein EnglischJ).

Bis zum Abend vor dem Abflug hatten wir kein Ticket und Sunetha schwebte immer in der Angst, es klappt nicht. Ihren Söhnen hatten wir all dies nicht mitgeteilt, um ihnen die Enttäuschung zu ersparen, wenn es wieder schief geht.

Auch eine Stunde vor Abfahrt nach Paris hatten wir nicht alle Dokumente, aber es blieb uns nichts anderes übrig, als zu fahren, denn die knapp  600km bis zum Flughafen mussten auch bewältigt werden.

Schlussendlich waren wir dort, Sunetha konnte einchecken, ich habe die Kinder informiert, dass die Mama nun wirklich auf dem Weg ist. Und Sunetha hat sich 20 Stunden später aus Sri Lanka gemeldet.

Dort war sie bis einschließlich 18. September im besagten Hotel in Quarantäne, all ihre Covid- Tests sind negativ (drei in drei Wochen). Dennoch darf sie nicht nach Hause, da der Gesundheits-Inspektor ihres Heimatdorfes folgende Regel verhängt hat:

Wer aus der Quarantäne kommt, muss erneut 14 Tage zu Hause bleiben mit der Folge, dass alle im Haushalt lebenden Personen das Haus ebenfalls nicht verlassen dürfen.
Für Sunetha hatte dies zur Folge, dass ihr Ehemann ihre Rückkehr nicht akzeptiert, da weder er zur Arbeit noch die Kinder zur Schule dürfen.

Und wieder war die Frage im Raum: Was nun?? Denn singhalesische Haus-  oder Wohnungsbesitzer wollten alle nicht an sie vermieten, aus Angst vor dem Virus (hier wurde leider auchdeutlich, wie wenigaufgeklärt die Bevölkerung dort ist).

Dank einer deutschen Facebook – Communitiy mit dem Titel „Sri Lanka und das Leben“ ist es gelungen, mal wieder einen Engel ausfindig zu machen, dieses Mal Silke, wohnhaft in Deutschland, verheiratet mit einem Singhalesen und mit einem kleinen Haus in Sri Lanka.  Bei meinem Aufruf hat Silke nicht gezögert und sich sofort bei mir gemeldet und mir ihr Haus zur Miete angeboten (Inklusive Schwiegermutter, die für Sunetha die Einkäufe übernimmt) – noch einmal Unkosten, die wir zum Glück aus den Spendengeldern decken können.

Im Augenblick befindet sich Sunetha nur noch 30 Minuten von Zuhause entfernt. Allerdings muss sie jetzt noch einmal aushalten bis zum 2. Oktober, bis sie dann endgültig nach Hause darf.

Beim Umzug vom Hotel in das Gästehaus hatten sich ihre Kinder unerlaubter Weise mit dem Fahrer auf den Weg gemacht, um ihre Mama zumindest nachsieben Monaten diese 30 Minuten im Auto sehen zu können. Im Gästehaus angekommen durfte ja niemand wissen, dass die Kinder dabei sind, nach einer Umarmung und einem ersten gemeinsamen Foto mussten die Jungs sich dann auch wieder verabschieden. Jetzt schauen wir alle voller Zuversichtnach vorne und freuen uns, wenn Sunetha schlussendlich am 2.10. wieder Zuhause ankommt.

 Verreisen möchte sie so schnell nicht mehr, aber sie möchte euch allen von ganzem Herzen danken. SovieleMenschenhat sie kenngelernt, so viele Menschenstandenund stehen ihr hilfreichzur Seite. Viele wurden zu Freunden.

Wir alle hier haben einen Einblick in ihr Leben bekommen, haben viel erfahren über die Traditionen des Landes, die unfassbar strengen Regeln für Frauen, bzw. der Missachtung,die den Frauen dort entgegen gebracht wird, und wie es sich anfühlt, in jungen Jahren verheiratet zu werden und bis heute kein Entkommen aus dieser Situation…
Nach den Oster-Attentaten und jetzt mit Corona liegt der Tourismus am Boden und somit wird es für Sunetha in absehbarer Zeit keine Arbeit auf der Insel geben. Die gesamte Insel kämpft ums Überleben. Hätte sie ihre Söhne nicht im Land, wäre sie sicher hier geblieben

Aus all diesen Gründen habe ich hier mit meinen „Mädels“beschlossen,Sunetha auch weiterhinfinanziell zu unterstützen, denn ihr größter Wunsch ist, dass beideKinder die höhere private Schule besuchen können und dass sie es schafft, von ihrem Noch-Ehemann unabhängig zu werden, sich scheiden zu lassen und sich alleine um die Kinder kümmern zu können.

Daher haben wir ein Konto eingerichtet  und jeder, der sich verbunden fühlt, kann sie dauerhaft unterstützen, ob per monatlichem Dauerauftrag kleinere Beträge oder immer mal wieder, wenn bei euch etwas übrig ist. Wir sind für jede Hilfe dankbar und zu 1000% sicher, dass dieses Geld wirklich einem gutem Zweck zugeführt wird: Nämlich dem, dassSunetha mit ihren Kindern eine selbstbestimmtes,freiesLeben führen kann.

Andrea Käpernik
Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN: DE81664500500078242006
BIC:SOLADES10FG

Verwendungszweck: UnterstützungSunetha

Mein und unser ganz besonderer Dank nach den vergangen Monaten geht an:

All die Menschen, die ich gar nicht kenne oder nur flüchtig, an all die, die einfach ohne zu zögern oder zu fragen, Geld überwiesen haben, an all die, die mir mit ihrem Tun gezeigt haben, in welch wunderbarem Umfeld ich leben darf….

Und natürlich an:

Walter Holtfoth (Cleopha 87) und seinen socialmedia Kontakten. Durch ihn waren wir online in aller Munde und auch in der Badischen Zeitung vertreten.

Dr. Rainer Beneke übernahm völlig umkompliziert 72 Stunden vor Abflug den notwendigen Corona Test.

Dr. Asaad Dikou,der uns gleich zweimal und ohne viel Bürokratie hilfreich zur Seite stand.

Der Verein„Heiler Mensch- Heile Erde“ stand uns im Frühjahr schon finanziell zur Seite.

Die Wilhelm „Oberle Stiftung Freiburg“ beteiligte sich an den Flug- und Unterbringungskosten.

Der Chiropraktiker Jürgen Schmidt mit seiner Frau Julia, er kümmerte sich vier Monate unentgeltlich um Sunethas „FrozenShoulder“  (von der jetzt nichts mehr zu spüren ist), beteiligte sich an den Kosten, und ganz wichtig, er wurde Freund und Helfer zugleich.

Lieben Dank an Silke und Familie und die kleine Villa in Bentota.

Danke an Sabine und die Zusage für das Schulgeld (und für jedes Telefonat).

Danke nach Kassel, an all die neuen Bekannten

Grüße ins Schweitzer Nachbarland, (wer hat´s erfunden?) J

An Heike und Franz von „heiyoga“  Seelbach

Danke an mein Kollegium im Dinglinger Haus,

Danke an Diana Götzmann und ihre „Jungs“

an Barbara von der „Ganesha Lounge Offenburg“ für deinen Frühjahr- Support

und von Herz zu Herz, weil keine Worte an:
Juliane W. / Hannes und Family /  Herby

Mr. Hörmann,  bester Vermieter und Mitfahrer (einmal Paris und zurück in einem Stück, in froher Erwartung aller Strafzettel)

Und natürlich an die beste Familie und den besten Freundeskreis ever:

Hier meine Lieblingsmenschen, immer da, wenn man sie braucht:

Mom, Jutta, Yannik, Alex, Herby und Drea

And the big five ½:  ( ½ ist natürlich Purzel)

Steffi und Purzel (gemeint ist Dr. Stephanie Kempchen nebst Assistent)
Fr. Ludwig (gemeint ist Dagmar Ehret)
Kathi (gemeint ist Katharina Knittel)
Fr. M. (gemeint ist Carmen Mattmüller)
Anette aus der Kassler Reisebude

Und :

Daniela, Kathrin, Simone, Britta, 2 x Karin, Diana, JS, Petra,Tilly, dem Schuttertäler Damen -Trupp, Evi, Milu, Linda, Sabine, Ulla, Fisch, Uwe, Ines, Mama Kempchen, dem Team der Sozialstation Friesenheim, und viele, viele mehr…

Und alle die ich jetzt nicht namentlich nennen kann! … verzeiht mir….

Alles Liebe und immer einen Engel an Eurer Seite

Von Herzen Andrea und Sunetha